Ein Spaziergang

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Zuletzt aktualisiert (Monday, 13 June 2011 08:33)Geschrieben von: AdministratorSunday, 04 July 2010 23:00

Schönes Altenburger Land, so heißt ein kleiner Bildband mit alten Ansichtskarten von Dörfern unserer Gegend, oder sollte man sagen, unseres Landkreises und man sollte doch meinen, daß auch unser Dorf darin Platz findet, so schön es sich in den letzten Jahren herausgeputzt hat von der Kirchturmspitze bis zum Spielplatz der Schule und des Kindergartens. Aber: Fehlanzeige.

Wer dort nach unserem Jubilar Großstechau sucht, wird lange suchen müssen und nicht fündig werden. Sicher, auch Bücher haben nur begrenzten Raum und man könnte nun sagen, nimm ein zweites zur Hand: z.B. Das Altenburger Land. Werte unserer Heimat. Auch dieses verzeichnet von Rasephas bis Göldschen so ziemlich alles, aber nicht Großstechau, auch Löbichau nicht. Dem Leser wird immer deutlicher: wir sind im Altenburger Land zwar sehr wohl gelegen, aber eben nur am Rand.

Wer am Rand liegt, hat es immer schwer. Menschen mit schmalen Ehebetten können das bezeugen: entweder man fällt hinten herunter oder wird man beschuldigt, sich über die Verhältnisse hinaus breit zu machen.

Wir wollen hier die Frage der Bewertung gar nicht weiter ausdehnen, nur auf eines wollen wir hinweisen: wir liegen zwar am Rand, sind aber die Perle des Altenburger Landes schlechthin. Und die Bücher betreffend können wir nur eines feststellen: Wie arm doch jene Autoren und Bücher sind, die von unserem Dorf, das nun mittlerweile seinen 750. Geburtstag feierte, wie arm also jene sind, die von unserem Dorf so gar keine Ahnung haben.

Es müssen bemitleidenswerte Geschöpfe und große Toren sein, die um unsere schmucken Dörfer einen großen Bogen machen, denn wir haben hier fast alles zu bieten: Kultur in Geschichte und Gegenwart, eine Orgel, die es in sich hat, eine Kirche, die seit mehr als 200 Jahren schon sagt: hereinspaziert in diesen großen Raum, der für mehr da ist, als nur zum Beten.
Und da Großstechau und Löbichau vom Namen her zwar getrennt sind aber als Dorf her wie eines zu begreifen ist, sei hier auch das Schloß in Löbichau genannt. Das Schloß der Herzogin von Kurland in Löbichau und die Schloßkirche in Großstechau. Beides verbindet der Hain (kleines Wäldchen) welcher zum Spazierengehen über die „Runde Bank“ und den „Ausguck“ direkt einläd. Unweit von unserem Dorf liegt noch das Schlößchen Tannenfeld mit seinem Jahrhundert alten Park und den alten Rhododendronbüchen.

Löbichau beherbergt einen neuen Kindergarten, der seit Jahren schon einen Frechdachs nach dem anderen groß zieht und stolz darauf sein kann.

Ja, wir haben sogar eine Schule, die eine eigene Geschichte aufzuweisen hat, für alle weithin sichtbar, verrät sie jedem an der schwarzgoldenen Tafel schon einmal, wer hier einst Lehrmeister war und wer heute da hineingeht. Ein großer Busplatz ist gleich nebenan.
Parken Sie hier den Bus und starten eine vergnügliche Stunde durch den Ort.(Wegbeschreibung folgt noch)

Und ist das alles, werden so manche fragen, was Großstechau nach 750 Jahren zu bieten hat?, nein, ist es nicht, für die Naturfans haben wir weitläufige Trimmdichpfade vom Hain bis zur Bergmühle zu bieten. Wege, auf denen dir Fuchs und Hase durchaus begegnen können, aber aus dem einfachen Grund, weil wir hier die Natur zu ihrem Recht kommen lassen und wer sich mit der Oberfläche nicht begnügen mag, der kann oder konnte bis vor wenigen Jahren, sogar in die Tiefe gehen und per Wismut Schächten sich den Hain und die Bergmühle mal von unten anschauen.

Der Schacht über Tage existiert Gott sei Dank schon ein paar Jahre nicht mehr. Dort oben am Förderturm ist ein schönes Fleckchen Erde zum Spazierengehen entstanden.  Hier finden Sie seit einiger Zeit auch ein überdemensionales „Kunstwerk“ aus der Zeit der Wismut und der DDR.

Ja, Großstechau hat viel zu bieten und all jene, die sagen: Großstechau, was ist das schon, den können wir an dieser Stelle voller Stolz und mit leisem Bedauern nur sagen: du armer Tor, so komme doch und überzeuge dich an dieser Stelle.
So könnte Ihr Ausflug am Sonntag aussehen. Fahren Sie in Löbichau ab und folgen Sie dem Wegweiser Landgasthof in Löbichau. Im idyllisch gelegenen Löbichauer Gasthaus unweit des Löbichauer Schlosses trinkt man seinen Kaffee unter alten Kastanien welche vielleicht schon die Herzogin beschattet haben. So gestärkt läuft man langsam in den Hain, überquert dann die Straße und geht weiter bis rechts der Abzweig zum „Ausguck“ kommt. Dort oben an der „Runden Bank“ angelangt wird erst einmal etwas verschnauft.
Nachdem man einen Blick auf Kleinstechau geworfen hat und die B7 sehen konnte geht man links weiter Richtung Großstechau. Man kommt auf diesem verwunschenen Wege am Begräbnis der Herzogin vorbei. Dieses existiert zwar nicht mehr aber man erzählt sich da so manches … Nach einiger Zeit hört der Hain auf und man erreicht Großstechau.
Der Blick fällt sofort auf das Denkmal für den Gefallenen Soldaten. Es wurde vor ein paar Jahren renoviert. Rechts davon ein paar Schritte weiter erhebt sich die Großstechauer Kirche, die Hauskirche der Herzogin Dorothea von Kurland. Wenn Sie offen ist sollten Sie unbedingt einen Blick hinein werfen. Vieleicht hören Sie die Orgel spielen? Am schönsten ist es wenn auf der "Poppe"Orgel geübt wird. Musik, wie von einem anderen Stern.Treten Sie ein. In der Kirche vorn am Altar, links in der Wand neben der Tür ist ein kleines vergittertes Fach. Dort wurde das Herz der Herzogin aufbewahrt. Darüber sehen Sie ein Medallion, eine Form ihres schönen Antlitzes aus Stein.
Da Sie jetzt schon in Großstechau sind laufen Sie noch ein paar Schritte Richtung Schule und lesen Sie die erwähnte schwarze Tafel einmal durch. Zurück Richtung Kirche bewundern Sie die Rhododentronbüsche wie Sie auch in Tannenfeld stehen. Links sehen Sie das alte Pfarrhaus. Es ist sogar auf einem alten Bild verehwigt. Die Pfarrfrau steht davor und unterhält sich mit der Herzogin von Acerenza
, einer Tochter der Horzogin, welche nach deren Tod die Herrschaft Löbichau geerbt hat. Sie gehen jetzt an der Kirche vorbei, den unteren Hainweg entlang. Er führt Sie zu unserem Dorfsee. Sehr idyllisch gelegen. Hier wird wieder gerastet und den Enten und Getier am und auf dem See zugesehen. Wieder fit?
Weiter geht es, denn man sieht schon das Schloß. Die Mauern des Wirtschaftshofes sind zu sehen. Wo gehen wir entlang? Rechtsrum kommen Sie an dem Löbichauer Bürgerraum vorbei (wenn die Tore offen sind) und erreichen die Dorfmitte und den Bäcker. Aber wir nehmen den Weg durch den Tunnel. Er ist weitaus Romantischer.
So wie früher die Schloßbewohner laufen wir noch ein Stück geradeaus und gehen dann gleich rechts über die Brücke durch den Tunnel welcher früher in die Mitte des Schloßkomplexes führte. Rechts sehen Sie den Wirtschafshof. Dort ist heute das Rathaus untergebracht, sowie Wohnungen und der Bürgersaal. Und links konnte man früher das neue und das alte Schloß sehen. Früher. Denn heute wurde das Schloß abgerissen und es wird gerade neu aufgebaut.
Wir gehen weiter bis zur Straße. Hier steht eine Tafel mit Informationen über das Schloß und wir stehen in der Dorfmitte. Das Haus der Feuerwehr steht gerade gegenüber. Es war früher ein alter Schafstall. Sieht aber heute richtig Schmuck aus. Geradeaus geht es zu einem weiteren Spaziergang über Wismut Gebiet. Und zum „großen Bild“. Wir haben uns aber jetzt die Informationstafel durchgelesen und den Schloßkomplex angesehen.
Wer an den Werktagen diesen Spaziergang macht geht schnell ein paar Meter nach Links zu unserem Bäcker um sich mit gutem Brot und Backwaren zu versorgen oder noch 200 m weiter ist ein kleiner Einkaufladen auf der linken Seite.
Aber wir gehen jetzt am Schloß entlang, sehen uns die Bautätigkeit an und bewundern die großen alten Säulen welche wieder in den Neubau integriert werden sollen, auch der alte Stil, der Balkon soll wieder so entstehen.
Da wir wegen der Bauarbeiten nicht in den Park gehen können führt uns der Weg daran vorbei. Wir sehen alten Baumbestand und in der Mitte eine große Wiese. Hier fanden in der Vergangenheit viele Veranstaltungen statt. Denken Sie sich nach 1817 zurück. Sehen Sie die weißgekleideten Gestalten welche im Park promenieren und auf dem Rasen eine Art Cricke
t spielen? Lassen Sie doch Ihrer Phantasie freien Lauf. Versetzten Sie sich zurück in die alte Zeit.
Jetzt stehen wir am Parktor dem Schloß gegenüber. Haben Sie eine alte Ansichtskarte mit? Aber vielleicht steht ja schon der Altan des Schlosses wenn Sie diesen Blick in den Park zu dem Schloß hinschweifen lassen. Gehen wir nun weiter. Die Füße sind schon schwer vom Laufen und der Magen freut sich auf eine zünftige Vesper. Nur noch ein Paar Meter weiter gehen, dann links den kleinen Berg hinauf und schon sind wir wieder an der Gaststätte unserem Ausgangpunkt angekommen.
Sie werden sehen. Das ist eine Wanderung die sich lohnt. Und manchmal, nur manchmal begegnen Sie der Herzogin oder einer Hofdame. Sie werden schon sehen.
:)

Also auf nach Großstechau / Löbichau, oder, wie es Goethe wohlmundiger und für jene die jetzt prosaisch etwas sagen möchten: Willst du immer weiter schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah. Lerne nur das Glück ergreifen, denn das Glück ist immer da."

In diesem Sinne: Glückwunsch, Großstechau auf die nächsten 750 Jahre.

Grundtext geschrieben von Frau Dr. Kristin Jahn, etwas abgewandelt von Administrator  07.2010.